Reisebericht Niederlande/Deutschland 2009 (26. April bis 22. Mai 2009)
Lustigerweise waren wir zwar schon mehrfach in den Niederlanden, aber entweder im Hotel oder (zweimal) auf einer Schiffstour mit Fahrrad-Ausflügen.
Deshalb galt es jetzt, mit dem Wohnwagen und dem Fahrrad das Land zu erkunden.
1. Etappe: Ludwigshafen-Daun/Schalkenmehren (223 km).
Die Etappe nach Daun wurde gewählt, weil wir für unsere 3-tägige „Rentner-Wanderung“ im September die Wanderstrecken aussuchen und teilweise ablaufen wollten.
„Camping am Maar“ in Schalkenmehren (16,50 €/Nacht) liegt unterhalb des dazu gehörigen Hotels Schneider am Maar, durch eine enge Gasse und eine extrem steile Abfahrt zu erreichen. Man muss ganz unten am See wenden und kommt nur so zum Stellplatz. Der kleine Platz auf mehreren schmalen Terrassen am See hat nur wenige freie Stellplätze, meist sind es Dauercamper. Die Parzellen sind so schmal, dass man das Auto am Platzeingang parken muss. Die Sanitäranlage ist uralt, aber alles funktioniert.
Vom Stellplatz hat man einen schönen Blick auf das Schalkenmehrer Maar und es gibt unzählige, gut ausgeschilderte Wanderwege (und Strecken für Mountain-Biker/Loipen) zu den anderen Maaren usw.. Nachdem wir die Wanderstrecken für den Herbst gefunden haben, soll es nach 3 Tagen weiter nach Holland gehen.
In der Nacht vor der Weiterfahrt hat es heftig geregnet. Da kamen mir doch Bedenken: eine sehr steile Auffahrt über 50 m, unten kaum Anlauf, noch etwas Split vom Winter auf dem Asphalt und dann den Wohnwagen mit einem Auto mit Vorderradantrieb hoch ziehen. Verdammt, so eine starke Steigung hatten wir mit dem vierradgetriebenen RAV noch nie gehabt.
Also mit Herzklopfen unten gewendet, kurzer Anlauf und da war schon die Steigung: das Gespann kam in Fahrt und das doofe DSG-Getriebe (weil der noch doofere Fahrer es nicht auf „S“ gestellt hat), schaltet mitten in der Steigung auch noch in den zweiten Gang!!!, aber es ging ohne Durchdrehen der Vorderräder problemlos nach oben, uff.
2. Etappe: Daun- Arnheim/Otterlo (325 km)
Der Aufenthalt fällt in die holländischen Mai-Ferien, also habe ich mich vorab erkundigt, ob noch Plätze frei sind und ob die ACSI-Card bzw. CampingCheque in diesem Zeitraum gültig sind: zum Glück, denn einige Plätze haben entgegen der Angabe im Campingführer ihre Akzeptanzzeiten falsch angegeben. Aber der „Beek en Hei“ hält auch in den Ferien den ACSI-Preis (15 € incl. Duschmarken) und reserviert uns einen schönen Platz.
Gut getan, denn der Platz war ausgebucht. Allerdings gibt es um den Platz noch große Waldflächen, die sehr romantisch (ernsthaft!) nach und nach überwiegend von Zeltcampern besiedelt wurden. Obwohl die Sanitäranlagen recht knapp erschienen, gab es nie Wartezeiten und nie schmutzige Toiletten. Der Platz wird als Naturcamping ganz ohne Animation beworben, genau so, wie es uns gefällt.
So ausführlich, wie in der Eifel die Wanderwege beschildert waren, so sind hier die Radwege beschildert (auch die Knooppunkte sind dort eingeführt). Endlich konnten wir uns mit den Fahrrädern austoben. Obwohl der Wind heftig bläst (natürlich von vorne) macht das Radeln Spaß. Hauptziel war der Naturpark „Hooge Veluwe“ mit dem Kröller-Müller-Museum (nach Amsterdam zweitgrößte vanGogh-Sammlung). Der Park kostet 7 € Eintritt (mit kostenlosen Fahrräder) und das Museum darin noch mal 7 €, also für uns beide 28 €. Das Museum ist das Geld wert, aber im Park sieht es eigentlich genau so aus wie außerhalb.
Anmerkung: mit unseren Tourenrädern sind wir gegenüber den Holländern richtig aufgefallen: die benutzen Hollandräder mit extrem aufrechter Sitzhaltung (hoffentlich fallen die nicht rückwärts um). Uns überrascht, wie ungeschickt sich manche Holländer (Radfahrer-Nation!) auf den Feld- und Waldwegen anstellen, die sind wohl nur den Stadtverkehr gewöhnt.
Mit dem Fahrrad und mit dem Auto erkunden wir die umliegenden Orte (Arnheim: recht schmutzig), Ede (für uns „typisch holländisch“), Ammersfort (gerade toller Blumenmarkt) und Deventer (auch schöne Altstadt). Apeldoorn, wo am Tag vorher der Anschlag stattfand, lassen wir aus. Man sah von der Umgehungsstraße aus genügend „Katastrophen-Touristen“, die zum Gaffen gekommen sind.
Was ich in den Foren gelernt habe: kein Holland-Besuch ohne OBELINK, also hin!!! Wirklich gut organisiert, viele Parkplätze, endloses Angebot. Aber als abgeklärte Altcamper fehlt uns doch der strahlende Blick mancher Käufer (aber bei Heringen, Sturmband und Deichselwaage konnten wir auch nicht widerstehen).
3. Etappe: Arnheim-Rijnsburg (115 km)
Die Mai-Ferien sind um und auf dem CP Koningshof gelten die CampingCheques, also 14 € für einen schönen großen Wiesenplatz, diesmal im hundefreien Bereich.
Anmerkung: man hat uns vor den vielen Hunden auf den holländischen Cp gewarnt und wir waren schon etwas voreingenommen. Aber die Herrchen haben wirklich Disziplin: kein Gekläffe, keine Tretminen, keine freilaufenden Hunde, kein „der macht nix“ war nötig. Danke.
Der CP mit etwas enger Zufahrt liegt ganz in der Nähe der Tulpenfelder. Schöne große Rasenplätze, Wasserzapfstellen in der Nähe und ein nettes Restaurant und ein Imbiss, kleiner Supermarkt, saubere Sanitäranlagen. Als Attraktion wurde das Kombinierte Hallen/Freibad hervorgehoben. Aber das Bad ist recht klein, so sind nur Kinder drin, die aber wirklich ihren Spaß haben dürfen.
Leider ist es bei unserem gesamten Aufenthalt recht stürmisch (wie gut, das wir das Sturmband erstanden haben) und so wird das Rad fahren recht anstrengend. Trotzdem, auch wenn die Beine schmerzen, die Gegend ist so schön, das muss man fahren, zum Keukenhof, ans Meer bei Scheveningen, Katwijk, Leiden, Noordwijkerhout, Boskoop und mit dem Auto nach Delft, das uns von allen Städten am besten gefällt.
Den Keukenhof haben wir nur von außen gesehen, denn wir waren früher schon einmal bei voller Blüte dort, jetzt waren die Tulpen auf den Feldern schon weitgehend verblüht.
Anmerkung zum Auto fahren:
Die Verkehrschilder führen immer auf die Hauptstraße bzw. bevorzugt auf die Autobahn. Dadurch sind diese Straßen sehr voll und alle paar Meter gibt es Geschwindigkeitsbegrenzungen, üppige Ampelanlagen, Radarfallen und Ampelkameras. Das ist kein Auto fahren, das ist ein langweiliges Dahinstolpern.
Weicht man von den verkehrsreichen Straßen ab, gibt es keine durchgehende Beschilderung, höchstens ist das nächste Kuhdorf ausgeschildert und viele Städte mit ihren kreisförmig angelegten Neubaugebieten erschweren zusätzlich die Orientierung. Da hilft wirklich nur ein Navi.
Im Kreisverkehr wünscht man sich anfangs Insektenaugen mit dem großen Rundblick, um die Autos und die im zweiten Kreis fahrenden Radfahrer auf einen Blick zu erfassen. Aber man lernt das schnell.
Anmerkung zum Rad fahren:
In den Städten herrscht ein riesiges Aufkommen an Radfahrern, die eigene Radwege, separate Verkehrsampeln und Verkehrsschilder haben. Als unerfahrener Stadtradler fühlt man sich ganz schön „eingeklemmt“, da hilft nur behutsames Fahren. Außerhalb der Stadt sind wir in unserem Element. So lange wir der Beschilderung folgen, klappt die Orientierung. Aber wehe man weicht ab: da die bei uns üblichen innerstädtischen Verkehrsschilder fehlen, irrt man so lange umher, bis man wieder auf ein Fahrrad-Richtungsschild trifft. Für uns halt ungewohnt.
Das Leben als Radfahrer ist so lange toll, wie man nicht auf den einspurigen Nebenstraßen fährt. Denn dort werden die auf den Hauptstraßen durch extreme Begrenzungen/Bevormundungen (siehe oben) frustrierten Autofahrer zu Rennfahrern. Ohne Rücksicht auf den ängstlichen Radfahrer wird man mit Geschwindigkeiten zwischen 70 -100 kmh passiert, durchaus nur mit einem halben Meter Abstand.
Also hinaus zu den asphaltierten Radwegen in den Dünen. Ja, ganz toll, außer am Wochenende: da fegen die Rennradfahrer schneller als sie wochentags mit dem Auto fahren dürfen, zwischen den gemütlich bummelnden Radfahrern hindurch, sehr unschön.
Anmerkung zum Wandern/Spazieren gehen:
Da wir zu hause mehr wandern als Rad fahren, haben wir es auch in Holland probiert. In den Naturschutzgebieten sind unzählige Wanderwege ausgewiesen, da kann man sich austoben. Aber sonst gibt es kaum Fußwege, am Straßenrand führt ja nur der Radweg. Da lernt man schnell, immer nur gerade aus zu laufen, ja kein Schritt nach rechts oder links, denn es kommt bestimmt ein Fahrrad. So läuft man auch durch die Stadt: immer strikt gerade aus, vorm „Spurwechsel“ zuerst umdrehen, ob nicht ein Fahrrad kommt (es kommt!).
4. Etappe: Rijnsburg-Alkmaar/Heiloo (75 km)
Nach dem Wald und Heidegebiet um „Hooge Veluwe“, der Blumenzwiebel- (Keukenhof) und der Pflanzenzucht (Boskoop) war nun Nordholland mit den Kühen das nächste Ziel.
Bei Alkmaar gibt es mehrere Plätze, aber der CP „Heiloo“ bietet einen Platz für 15 € (ACSI). Wir finden einen großen Stellplatz in sonniger Lage und sehr ruhig. Die Straße in der Nähe hört man kaum. Verblüfft sind wir von den schönen neuen Sanitärgebäude mit viele, viel Platz, so müsste es überall sein!! Leider gibt es kein Brötchen-Service, aber 200 m weiter befindet sich ein Einkaufszentrum. Das Restaurant auf dem CP macht einen guten Eindruck, aber so ein einfaches Schnitzel mit PoSa (Pommes/Salat) für 17,50 €, da sind wir zu geizig dazu.
Wieder bläst der Sturm, aber wir haben ja trainiert und so machen wir auch von hier aus täglich unsere Radtouren (je 30-40 km).
In Alkmaar besuchen wir freitags den Käsemarkt und machen eine lustige Grachtenrundfahrt, besuchen aber auch am Ijsselmmer das überraschend lebhafte Hoorn (vorher noch nie gehört), das kleine Edam und das touristisch überlaufene Volendam.
Am letzten Tag vor der Weiterfahrt wieder starker Wind, die Beine schmerzen; also fahren wir mit der Bahn nach Amsterdam, das wir schon kennen. Aber trotzdem buchen wir eine Grachtenfahrt und wandern stundenlang durch die Stadt. Aber wir liben Großstädte nicht mehr, Alkmaar ist uns lieber gewesen.
5. Etappe: Heiloo – Heber/Lüneburger Heide (450 km)
Den CP Lüneburger Heide bei Schneverdingen kennen wir schon von einem früheren Besuch und sind schon an der Einfahrt von der schönen Athmosphäre begeistert. Es gibt den kleinen ACSI-Platz (aber immer noch sehr groß) und für 4 € mehr einen Luxusplatz mit Wasseranschluss/-Abfluss) und ca. 150 qm. Den nehmen wir. Ein superfreundlicher Empfang, ein nettes Restaurant, nette Nachbarn und herrlich ruhig, das gefällt uns. Leider ist das Sanitärgebäude (Gebäude 2) etwas eng und schlecht belüftbar und die Spülecke ist auch sehr knapp bemessen. Da war der unscheinbare Platz in Heiloo um Welten besser.
Natürlich wurden auch hier die Fahrräder ausgiebig benutzt, endlich war kein Sturm mehr wie in Holland. Aber damit es uns nicht zu wohl wird, hat man zur Kompensation die Wege sandiger gemacht und ein paar Buckel eingebaut.
Anmerkung:
Einige der Radwege in der Lüneburger Heide führten auch auf oder neben der Straße wie in Holland. Aber welch ein Unterschied: die Autos (allerdings bei weit weniger Verkehr) fahren wesentlich schneller, ja sie „rasen“, aber wenn ein Radfahrer auf der Straße fährt, dann wird abgebremst, mit niederer Geschwindigkeit und im weiten Bogen überholt. Ganz ehrlich, da fühle ich mich als Radfahrer wohler!!
Schade: in der EU wurde zwar die Krümmung der Banane festgelegt, aber der Mindestabstand von 1,50 Meter beim Passieren eines Radfahrers nicht. Anscheinend ist Bananen essen gefährlicher.
Wir hatten Karten für ein Musical in Hamburg und so konnten wir diesen Besuch mit unseren Urlaub verbinden. Ein Nachmittag Bummel durch Hamburg, dann das Musical, und am Tag danach ein Ruhetag, kombiniert mit einem zünftigen Grillfest mit Musik auf dem CP. Ein schöner Abschluss.
6. Etappe: Heber – Ludwigshafen (455 km)
So, auf der letzten Etappe über die Kasseler Berge darf der Golf Plus endlich zeigen, was und ob er kann. Ein Tag nach dem Feiertag, da erhofften wir uns wenig Verkehr und es war so. Bis auf einige Langsamfahrpassagen und kleine Staus vor und nach Frankfurt kamen wir zügig voran und brauchten so für die 455 km eine Fahrzeit von 6,5 Stunden.
Anmerkung: Der 140 PS-Diesel ist im Vergleich zum früheren 150 PS-Benziner im Toyota RAV4 wesentlich angenehmer zu fahren. Statt wie zuvor an jeder Steigung zu lauern, dass man nicht zuviel Tempo verliert und auch rechtzeitig schaltet, fährt man jetzt einfach mit Tacho 100 auf die Steigung zu. Das DSG hält bei leichten Steigungen die Geschwindigkeit im 6. Gang, schaltet auch mal zurück in den 5. oder 4. Gang. Und wenn man trotzdem mal eingeklemmt wird, gibt man wieder Gas und beschleunigt, auch berghoch.
Das ganze kostet dann 10 l/100 km Diesel, mit dem RAV waren es 14,5 l/100 km Super.
Zusammenfassung:
Wir haben Holland genossen (trotz meiner etwas spöttischen Kritik) und fanden genau die liebenswürdigen Holländer, wie wir sie auf anderen europäischen Campingplätzen erleben durften: liebenswürdig und zurückhaltend, einfach angenehme Zeitgenossen.
Genau so versuchen wir uns auch zu verhalten.
Obwohl wir „südlastig“ sind, mehr die Wärme lieben und auf heftigen Wind verzichten können, ist eine „Nordreise“ alle paar Jahre auch für uns eine willkommene Abwechslung.