Hallo,
in den letzten Tagen habe ich in verschiedenen Foren über Campingplatzsuche, Streckenauswahl (mit oder ohne Maut) usw. gelesen. Die einen bereiten sich perfekt vor, was auf der Reise durchaus zum stressigen Abarbeiten des Planes führen kann, die anderen fühlen sich frei wie ein Vogel und fahren vor lauter Freiheit und daher unvorbereitet an den schönsten Stellen und an den schönsten Campingplätzen vorbei.
Wie immer, liegt wohl die Wahrheit in der Mitte und jeder wird sich in einen Rahmen zwischen der perfekter Vorbereitung bis hin zum "planlosen" Bummeln (nix dagegen, ist ein Bauchgefühl) einordnen können.
Nun, nach vielen planlosen - nicht ziellosen - Rundreisen in der Jugend mag ich es heute etwas besser vorbereitet. Als Rentner sind die langen Winterabende geradezu eine Einladung, sich mit der nächsten Rundreise zu befassen. Viele Berufstätige haben bestimmt nicht die Zeit (und auch nicht unbedingt die Lust), sich vorher so intensiv mit der Reiseplanung zu befassen.
Deshalb will ich versuchen, ein paar Tipps/Erfahrungen zu geben, wie ich eine größere Rundreise vorbereite.
Wenn man sich innerhalb der Familie noch nicht über das Reiseland einig ist, empfehle ich als "erste Hilfe" den HB-Bildatlas. Hier wird mit tollen Fotografien, kurzen Texten und einigen Landkarten das Land/die Region präsentiert.
Sobald fest steht, wohin es gehen soll, zum Beispiel "Rundreise um ganz Frankreich", besorge ich mir vom ADAC einige Unterlagen: den Länderführer und die Reisekarte.
Der Länderführer gibt einen Überblick übers das Land, die Bevölkerung, die Lebensweise.
Die Reisekarte bietet durch die Konzentration auf Hauptverkehrsstraßen einen raschen Überblick über das Reiseland und die in der Karte markierten sehenwerten Orte mit der Kurzbeschreibung dienen als erste Entscheidungshilfe für die Routenplanung.
Sobald die Hauptorte der Route einigermaßen bekannt ist, überlege ich mir einen sinnvollen Etappenplan. Für die Anreise durch bereits bekannte Gebiete fahren wir etwas zügiger, da wird schon die Autobahn die erste Wahl sein. Aber etwas Maut sparen wäre auch nicht schlecht.
Da bietet der ADAC mit seinem Routenplaner (man kann auch andere kostenfreie Routenplaner nutzen) die Möglichkeit, von einer Etappe die Kilometer, die Fahrzeit und die Mautkosten (mit Wohnwagen) zu recherchieren. Manchmal ist die Alternativstrecke in ähnlicher Zeit zu fahren, manchmal aber weiter, kurviger, stark befahren (das merkt man erst wenn man dort fährt

). Da muss jeder seinen Kompromiss finden.
Im Zielland selbst fahren wir dann gerne Nebenstraßen, aber zwischendurch auch wieder eine Autobahnetappe, gerade wie es sich am geschicktesten anbietet.
Zur Streckenauswahl bietet sich der Michelin-Routenplaner an (im Internet frei). Die Route habe ich ja schon mit dem ADAC-Routenplaner grob festgelegt. Aber auf der Michelin-Karte (Masstab veränderbar) werden so im Bereich von 1:100.000 -200.000 (muss man probieren) die landschaftlich schönen Straßen mit einer grünen Linie markiert, Sehenswürdigkeiten und Panoramablicke angezeigt. Damit hat man Hinweise, wo man genussreich von der doofen Direktroute abweichen sollte/kann.
Für die Etappenorte müssen jetzt die Campingplätze her. Die einen suchen Luxusplätze, die anderen Naturplätze (in Frankreich natürlich die Camping Municipal). Wir bevorzugen Plätze in schöner Lage und schönen Stellplätzen, die einigermaßen ruhig sind.
Wie auch immer.
Man könnte jetzt im ADAC-Campingführer einfach die der eigenen Vorstellung entsprechenden Plätze aussuchen. Aber gerade in der Nebensaison bieten einige Campingorganisationen mit ihren Rabattkarten (z.B. ADAC-CampCard, ACSI-Card, CampingCheque) gegenüber dem Nachbarplatz einen Preisvorteil von 4 bis 15 € (?) pro Nacht, da kommen bei einer 30-Tage-Reise schnell mal eine Ersparnis von 100 -250 € zusammen.
Gut, man kann stur nur auf diese Rabatt-Plätze fahren, wenn die Ersparnis das Hauptziel ist (nur für Frankreich: die Camping Municipal sind in der Regel noch billiger oder preisgleich, aber meist weniger üppig ausgestattet).
Aber ich will ja einen möglichst schönen Platz (meine Vorgabe) und trotzdem möglichst sparen.
Dafür muss ich dann bei ACSI und CampingCheque im Internet recherchieren (freier Zugang), während ich beim ADAC ab diesem Jahr auf den aktuellen Campingführer angewiesen bin und zwischen günstigstem Preis und persönlichen Kritrien abwägen.
Am Ende der Recherche habe ich dann eine lange Liste von in Frage kommenden Campingplätzen: Eine Liste mit mehreren Plätzen vor Ort deshalb, weil wir schon zu Plätzen gekommen sind, die auch in der Nebensaison proppevoll waren (ACSI!), oder trotz positiver Campingführerbewertung uns nicht angesprochen haben. Dann fahren wir zum nächsten aus der Liste.
Bei ACSI im Internet kann man bei jeden Campingplatz auch dessen Lage auf der Landkarte erkennen (ist von google), als Echtbild (man sieht z.B. den Strand, Weg zum Strand) und als Landkarte für den Anfahrtsweg, auch eine wichtige Entscheidungshilfe.
Wer kein Navi besitzt, kann sich das Blatt ausdrucken.
So, wenn jetzt der Etappenplan existiert, erstelle ich einen Zeitplan. Ich kann mir denken, das jetzt viele, die bis hierher noch eingermaßen verständnisvoll mitgelesen haben, langsam ausflippen. Was, der legt sogar fest, wie lange er auf dem Platz bleibt?
Neeee, keine Angst, das ist ja nur so als Richtwert gedacht. Wir müssen ja schließlich irgendwann wieder nach hause kommen. Also kalkiulieren wir, auf dem Durchreise-CP nur einen Tag zu bleiben, am Strand ein paar Tage zu faulenzen, in einer tollen Gegend, einem interessanten Ort könnte man 3-5 Tage bleiben usw. und dann sehe ich, ob wir halbwegs in der Zeit zur Verfügung stehenden Zeit wieder nach Hause finden.
Inzwischen habe ich ja Erfahrung mit solchen Plänen: Die Etappen haben wir meistens "wie geplant" eingehalten, nur wenn wir enttäuscht waren oder gerade Shit-Wetter herrschte, haben wir einen Etappenort übersprungen. Die vorgeplanten Tage auf dem Campingplatz haben wir dagegen nie eingehalten: manchmal waren wir viel zu schnell mit dem Programm fertig oder der Ort hat uns doch nicht so interessiert, ein andermal war alles so passend, dass wir noch ein paar Tage darangehängt haben.
Aber wir haben auf dem Plan erkennen bzw. abwägen können, auf was wir anschließend eventuell verzichten müssen, wenn wir zur geplanten Zeit zu hause sein wollen.
Das Wetter oder neue Ideen, auch von Mitcampern aufgeschnappt, haben uns aber auch schon total vom Plan abweichen lassen. Das sehen wir dann ganz locker, auch wenn es bisher nicht so klingt, wir haben schon viele schöne, improvisierte Urlaube gemacht und werden die auch immer wieder "einstreuen".
Anmerkung: Vor einiger Zeit mussten ich aus beruflichen Gründen kurzfristig meinen 4-Wochenurlaub genau in die Hauptsaison legen. Keine Zeit zur Vorbereitung, also schnell die Kleider gepackt, ein kleines Hauszelt (Typ Hundehütte) und eine Luftmatratze ins Auto, etwas Campingzubehör und eine Landkarte, das wars. Wir sind völlig frei durch Frankreich gegondelt, wussten nie, wo wir zum Übernachten landen (meistens waren es Camping Municipal) und was der nächste Tag bringt. Großartig.
Aber nach vielen solcher Frankreichfahrten ist der Wunsch gewachsen, doch kulturell und landschaftlich besser vorbereitet zu sein, um nicht an den wichtigsten und schönsten Stellen achtlos vorbei zu fahren.
Anmerkung Ende.
Also weiter im Text: Wenn man noch mehr Information über das Reiseland möchte, bietet der ADAC ähnlich der oben genannten Länderführer auch noch Regionalführer an, die noch detaillierter die Hauptsehenswürdigkeiten zeigen.
Man kann sich vom Fremdenverkehrsverband des Landes Prospekte schicken lassen, die CP im Internet "betrachten" und sich natürlich mit mehr oder weniger teuren Reiseführern eindecken.
Einfache Reiseführer wie die Büchlein vom ADAC oder anderer Verlage in ähnlicher Seitenstärke können natürlich nur einen oberflächlichen Überblick geben, erst wenn man sich auf die "echten" Reiseführer konzentriert, erfährt man "alles" über das Land.
Für uns Camper bieten sich für meinen Geschmack die Reiseführer vom Michael Müller-Verlag oder von Reise-Know-How an. Obwohl die Reihen innerhalb eines Verlages eine einheitliche Linie aufweisen, gibt es, da verschiedene Autoren daran arbeiten, durchaus Unterschiede. Das muss man selbst herausfinden, welcher Text einem besser anspricht oder wenn man Textabschnitte von einem bestimmten Reiseziel vergleicht. Also keine Empfehlung, welcher besser ist.
Es gibt auch noch absichtlich rustikal gestaltete Reiseführer vom Martin Velbinger-Verlag für Rucksackreisende, die - falls es sich um eine halbwegs aktuelle Auflage handelt, durchaus konkurrieren können. Hier werden mehr die Reisende (auch Camper) angesprochen, die sich etwas mehr in der Landschaft herumtreiben und preiswert essen wollen.
Dumont und Beadecker bieten auch gehaltvolle Reiseführer an, aber die sprechen weniger unsere Campermentalität an.
Über diesen "profanen" Reiseführern hinaus gibt es natürlich eine unendliche Zahl von dicken Bänden, die jede Kirchenspitze auf 2 Seiten behandeln. Hier lässt man sich am besten im Buchhandel beraten.
So, das wären meine Tipps. Reiseprofis werden wohl grinsen, Anfänger hoffentlich etwas aufnehmen können und Andersdenkende mit dem Kopf schütteln.
Trotzdem viel Spaß beim Planen und dabei nicht vergessen:
"erstens kommt es anders und zweitens wie man denkt"
daf43